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23 Jan

Die Prüfung

Nachdem die Prüfungen zum 8. bzw. 7. Kyu abgelegt waren, war ich an der Reihe. Ich hatte gehofft, dass eine Mittrainierende gleichzeitig mit mir ihre Prüfung zum 5. Kyu ablegen würde, da bis auf wenige Details und die Kata alles gleich war. Aber dem war nicht so. Ich stand also ganz allein vor meinem Sensei und einem weiteren Prüfer und wusste, alle Blicke sind auf mich gerichtet. Ich hatte das Gefühl, mein Herz klopfte so laut, dass er es hören könnte. Zum Glück hatten alle sich schon an meine knallrote Gesichtsfarbe gewöhnt, sodass mich niemand daraufhin ansprach. Kumite und Kata hatte ich wieder und wieder geübt.

Die Prüfung begann mit den Einzel (Kihon) – Techniken und plötzlich sollte ich eine Technik rückwärts machen und ich wusste beim besten Willen nicht, was er von mir wollte. Ich hatte niemanden, der gleichzeitig mit mir machte, also konnte ich nicht abschauen und ich hatte keine Ahnung, was die Begriffe bedeuteten, was ich wie rückwärts machen sollte und ich war fix und fertig. Keine Ahnung wie, aber irgendwie waren wir dann bei der nächsten Technik. Meine Verzweiflung zog sich durch die ganze Prüfung. Ich verwechselte den Yoko – Geri – Keage mit dem Yoko – Geri – Kekomi und hätte am liebsten geheult.

Alles in allem war es wohl nach Aussage der Prüfer und auch von Trainingspartnern doch ganz gut und ich bestand die Prüfung.

20 Jan

Prüfungsvorbereitung

Der nächste Prüfungstermin rückte näher und ich trainierte meine Ausdauer, machte Dehnübungen und beim Training gab ich mein Bestes. Meine Tochter kam auch wieder mit, aber musste erst langsam wieder anfangen und man merkte, dass sie längere Zeit ausgefallen war. Wir trainierten Kihon Ippon Kumite (Einschrittkampf im Grundschulstil) und die Kata Heian Sandan immer und immer wieder. Mein Sensei korrigierte mich, ich versuchte das Gesagte umzusetzen und meine Gedanken sprangen ständig hin und her zwischen Zuversicht und Enttäuschung .

Dann war es endlich soweit.

Alle zur Prüfung zugelassenen Karateka bekamen ihren Zettel. Ich war auch dabei, meine Tochter jedoch nicht. Ich war einerseits so glücklich, andererseits brach es mir das Herz, weil sie weinte und ich versuchte sie zu beruhigen indem ich ihr sagte:

Du bist noch so jung, du hast noch alle Zeit der Welt. Ich dagegen werde in einem Monat 48 Jahre, wer weiß, wie lange ich überhaupt noch in der Lage bin, zu trainieren.